ERSTER
DEUTSCH-LATEINAMERIKANISCHER THEOLOGINNENKONGRESS IN BUENOS AIRES

Prof. Dr. Margit Eckholt, Benediktbeuern

Erschienen unter folgendem Titel: Theologie: Ein „historisches“ Treffen deutscher und latein­amerikanischer Theologinnen in Buenos Aires, in: Herder Korrespondenz 62 (2008) 262

In der Osterwoche, vom 25.-28. März 2008, wurde an der Jesuitenhochschule San Mi­guel/Bue­­nos Aires zum ersten Mal ein gemeinsamer Kongress deutscher und latein­ame­ri­kanischer Theo­loginnen durchgeführt. Veranstaltet wurde er von der argentinischen Theo­loginnengruppe TEOLOGANDA und AGENDA – Forum katholischer Theologinnen e.V.. TEOLOGANDA ist eine Theologinnenvereinigung, die seit 2002 in Buenos Aires unter Leitung von Frau Prof. Dr. Virginia Azcuy ein Ta­gungs-, Vortrags- und Publika­tionspro­gramm für argentinische (und weitere latein­ame­ri­ka­nische) Theologinnen durchführt, dabei – wie AGENDA – die Förderung und wissen­schaft­liche Begleitung von jüngeren Theologinnen im Blick hat. 2002, 2004 und 2006 konnten ge­meinsame Workshops von TEOLOGANDA und AGENDA in Kooperation mit der Katho­li­schen Akademie Die Wolfsburg, dem Sti­pen­dienwerk La­tein­amerika-Deutsch­land e.V. und der Bischöflichen Aktion ADVENIAT Workshops in Deutschland durchgeführt werden. Der Kongress in Buenos Aires hat den gemeinsamen Weg der letzten Jahre unter dem Titel „Bio­graphien – Institutionen – Citi­zen­ship“ bebündelt. Auf dem Kongress kamen über 300 Theo­loginnen und Theo­logen (ca. 1/10 davon Theologen) aus Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chi­le, der Dominikanischen Republik, El Salvador, Kolumbien, Mexiko, Paraguay, Peru, Puerto Rico und Uruguay, aber auch den USA, Spanien und Deutschland zusammen.

Das Thema der „citizenship“ wurde bewußt gewählt; es ist in den letzten Jahren in Latein­ame­rika zu einem wichtigen Leitmotiv gerade im Blick auf die vielschichtige Erinnerung an das „Bicentenario de la Independencia“ (200 Jahre Unabhängigkeit der lateinamerikanischen Länder von Spanien) geworden. Aus Frauenperspektive ist „citizenship“ kein einfaches The­ma, es geht um Fragen der Zugehörigkeit und Partizipation, der schwierigen Verhältnis­be­stim­mung von Menschenrechten und Frauenrechten, um neue ekklesiologische Impulse und Wege zu einer „öffentlichen Theologie“ von Frauen. Das wurde u.a. in den Podiumsbeiträgen der beteiligten deutschen Theologinnen deutlich (Margit Eckholt, Hille Haker, Marianne Heim­bach-Steins, Marie-Theres Wacker, Hedwig Meyer-Wilmes; veröffent­licht in Stromata 64 (2008)).

Die brasilianische Theologin Maria Clara Bingemer (Rio de Janeiro), die zu den „Pio­nie­rin­nen“ lateinamerikanischer feministischer Theologie zählt und bereits 1985 ein erstes Treffen lateinamerikanischer Theologinnen mit organisiert hat, bezeichnete den Kongress in Buenos Aires als ein „historisches“ Treffen: Gerade durch die große in­ter­kon­ti­nen­tale Beteiligung und die internationale Kooperation können neue Impulse von Theologinnen für Kirche und Ge­sellschaft ausgehen, dadurch können Frauen zu einer kreativen Umsetzung der Anliegen der jüngsten Generalversammlung des lateinamerikanischen Episkopats in Aparecida beitragen (vgl. auch: Margit Eckholt, Kreativ und auf neuen Wegen. Theologinnen in Lateinamerika, in: Herder Korres­pondenz 61 (2007) 515-520). Ein großes Hoffnungszeichen für Kirche, Wis­sen­schaft und Gesellschaft war die Teilnahme von vielen jungen Frauen aus ver­schie­denen kul­tu­rellen Kontexten Latein­ame­rikas. Viele Theo­loginnen – verheiratete Frauen, Ordensfrauen, Alleinstehende – machen sich trotz der schwierigen Ar­beitsbedingungen auf den Weg eines qualifizierten theologischen Arbeitens und tragen so zu einer Weiterentwicklung latein­ameri­kanischer Theologie bei, einer akademisch eingebundenen und pastoral geerdeten Theologie mit kreativen spirituellen Impulsen und starken biblischen Akzenten. Dazu trägt vor allem der ökumenische Horizont lateinamerikanischer feministischer Theologie bei, der im Grün­dungs­moment von TEOLOGANDA angelegt ist und sicher noch weiter zu erschließen ist.

Zur weiteren interkontinentalen und internationalen Vernetzung von Theologinnen bei­zu­tra­gen ist ein wichtiger Zukunftsauftrag für das deutsche Theologinnenforum AGENDA. So ist zu wünschen, daß dem ersten gemeinsamen Theologinnenkongress deutscher und latein­ame­rikanischer Theologinnen weitere folgen werden und auf diesem Weg das „Feuer“ und der „Geist der Weisheit“ der Pionierinnen lateinamerikanischer und europäischer feministischer Theologie weitergegeben werden. Ein besonders schönes Zeichen für den fruchtbaren Dialog der Generationen auf dem Kongress war die Ehrung der „Pionierinnen“ als „awicha de la sabiduría“ – als „Großmütter der Weis­heit“. In der Aymara-Sprache ist die „awicha“ eine „Großmutter“, eine weise Frau, es ist der „weibliche Geist“, der die Kinder und Enkelkinder auf ihren Wegen in die Zukunft schützend begleitet.

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